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Güte, Geduld, Geld und Gift, sowie als letztes Mittel GewaltHistorische Romane
Autor: Frank S. Becker / Titel: Sie kamen bis Konstantinopel
 
Verfasst von:
Sabine Stebel
 
Am:
28.10.2009
 
Das 7. Jahrhundert nach Christus ist eine Zeit zwischen den Zeiten, über die es nur wenige Quellen und noch weniger historische Romane gibt. Weder Antike noch Mittelalter ist es Jahrhundert des Umbruchs, in welchen der erstarkende Islam dabei ist, seinen Platz in der neuen Weltordnung zu erobern.
Pelagia lebt in Karthago. Sie ist die Tochter eines einstmals reichen Händlers, der durch die vielen Überfälle der Araber einen Großteil seines Reichtums eingebüßt hat. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als seine sechzehnjährige Tochter ihrer Wege zu schicken, damit sie selbst ihr Glück macht.
So reist Pelagia nach Rom, zu einem entfernten Verwandten, und erlebt eine Stadt im Verfall. Die Residenz der Kaiser und Päpste ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, aber Pelagia ist ehrgeizig, sie will einen reichen Mann und sie will an den kaiserlichen Hof. Dass Reichtum jedoch nicht gleich Glück bedeutet muss sie erst durch Armut, Sklaverei und Flucht lernen.

Der Aufbau des Romans ist unüblich. Er beginnt fast mit dem Schluss, um danach erst einmal die Vergangenheit der drei Hauptpersonen zu beleuchten; die des irischen Priester Padraich mit dem dunklen Geheimnis, das seine Seele belastet, des jungen, stotternden Dieners Daud mit seiner großen Sehnsucht nach dem Meer und der verwöhnten reichen Pelagia und ihrem Wunsch nach einem reichen Mann und Macht. Das Schicksal verwebt die Leben dieser drei Menschen für immer miteinander, zum Guten und zum Schlechten.
Diese drei stehen auch für die drei Glaubensrichtungen, Padraich der Mönch für die unreflektierte christliche Glaubenslehre, Daud für den strengen Islam und Pelagia für die christliche ratio, denn sie „möchte lesen, was früher gedacht wurde, bevor uns die Kirche den Blick verengte. (S. 170)“

Das Buch ist aufgeteilt in drei Teile. Der erste Teil erzählt Padraich Kindheit und Jugend. Dieser Teil ist voller Mystik, Prophezeiungen und Magie, denn Padraich hat die Gabe zu erkennen, wer den nächsten Morgen nicht erleben wird und natürlich gibt es auch ein Ungeheuer im Loch Ness. Meine Lieblingsfigur in diesem ersten Teil war eindeutig Kevin der Barde mit seinem blauen Hund.

Teil 2 erzählt Dauds Jugend. Wie er als Diener die Ermordung des Kalifen miterlebte und als Sklave verschleppt wurde.

Der dritte und Hauptteil des Buches heißt zwar Pelagia, aber er erzählt die Geschichte aller drei Protagonisten und wie sie Einfluss auf Pelagias Leben nehmen.
Leider ist dieser Teil auch derjenige mit den meisten Klischees. Natürlich ist Pelagia schön, wie könnte es auch anders sein und ihre Zeit als Sklavin mit allem drum und dann ist leider unglaublich vorhersehbar und klischeebehaftet.
Historisch ist an diesem Buch nichts auszusetzen. Es ist solide recherchiert und voller spannender Details wie die zwei verschiedenen Türklopfer an moslemischen Häusern, einen für die Frauen und einen für die Männer oder die Geschichte des Säulenheiligen oder Epaphrodites. Zu jedem Kapitel gibt es im Anhang einen kleinen Abriss, der erklärt was historische Fakten sind und was nicht.

Erzählerisch hat das Buch viele wunderbare Figuren wie Urso oder Kevin oder den Wandermönch der die Huren so einem gottgefälligen Leben bekehren will.
Dennoch haben mich zwei Dinge stärker gestört bzw. beim lesen irritiert. Zum einen die bereits erwähnten teils klischeehaften Plots, zum anderen die Zeitsprünge. So vergehen auf S. 203 z. Bsp von einem Abschnitt zum anderen 4 Monate, die zwar im Nachhinein erzählt werden und das kommt noch an verschiedenen anderen Stellen vor. Da hätten mir ein paar zusätzliche Seiten in denen diese 4 Monate erzählt werden besser gefallen, ganz besonders die Wochen nach Mezizios Machtübergreifung, sind so leider unterschlagen worden, dich mich ganz besonders interessiert hätten. Auch in Padraichs Leben klaffen so große Lücken.
Auch Padraichs Fähigkeit (und die Begegnung mit Nessi + die Prohezeihung des sterbenden Mönches) hat schon fast etwas von seinem Fantasy Roman. Im ersten Teil ist dieser Aspekt noch deutlicher ausgeprägt, verliert sich im Laufe des Buches und kehrt gegen Ende wieder, das fand ich ein wenig unrund.

Positiv ist das Titelbild anzumerken. Es passt wunderbar zum Inhalt und zeigt, obwohl es sich um einen historischen Roman mit einer schönen Frau handelt, kein großbusiges Weib mit tiefem Ausschnitt.
Verlag: Verlag Philipp von Zabern
Erscheinungsdatum: 27. August 2009
Seitenzahl: 360
ISBN: 3805340818
Preis: 19,90
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